S Ü D A M E R I K A
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COLOMBIA
12.04. - 16.05.1999
Wir waren die ersten Tage in Bogota ganz schön aus der Puste, schließlich vollzog sich der Höhenunterschied von Null auf 2.600 m innerhalb weniger Flugstunden. Doch zuerst galt es die Motorräder ohne „Carnet des Passages" aus dem Zoll zu holen. Mit Hilfe von Ingo und Paolo, 2 brasilianischen Freunden war dies nach 2 Tagen umständlicher Prozedur auch möglich.
Ruben, ein neuer „fremder" Freund beherbergte uns dann geschlagene 4 Wochen in seinem Haus in Calera, einem Vorort von Bogota, in ca. 3.000 m Höhe.
So konnten wir uns gut an die Höhe gewöhnen ohne wirklich an Höhenkrankheit zu leiden. Aufgrund eines Motorschadens an Evas Ténéré mussten wir länger als geplant in Bogota bleiben. Doch die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wurden durch Rubens Gastfreundschaft und den kostenlosen Service vom Yamaha Händler „Incolmotos" locker ausgeglichen! So konnten dem ungewollten Aufenthalt mal wieder etwas Positives abgewinnen. Muttertag war unser letzter bei Ruben, ob uns seine Eltern wohl deswegen noch mal zum Essen einluden ;-)
Die Weiterfahrt erfolgte durch das sehr grüne und feuchte Kolumbien, wobei wir es möglichst vermieden in Guerilla-Gebiet einzudringen. Im Süden des Landes besuchten wir den archäologischen Park von San Augustin mit seinen seltsamen Gräbern und Grabwächtern.
Einmal warnte man uns davor die Strecke San Augustin - Popayan nicht während der Dunkelheit zu befahren. Das machen wir ja sowieso nur in absoluten Ausnahmefällen. Ohne Zwischenfälle erreichten wir die Grenze und verließen das äußerst gastfreundliche Land.

ECUADOR
17.05 - 02.06.1999
Der berühmte Indio-Markt von Otavalo war unser erstes Ziel. In einer nahegelegen Unterkunft genossen wir das Panorama der Andenketten und schauten uns immer wieder auf dem Indio-Markt um. Dort kauften wir einige schöne Handwerkstücke der dort ansässigen Indigenas und schickten sogar ein Paket nach Hause. Somit war unser Gepäck um einige Kilos leichter, die wir schon lange Zeit als Souvenirs mitschleppten.
Quito überraschte uns mit supermodernen Internetcafés und anderen diversen Kommunikationszentren. Hier durfte Ralf auf einer Grossbildleinwand zusehen, wie Bayern München den Champions League Titel innerhalb der letzten 2 Minuten der Nachspielzeit an Manchester United verlor. Doch was war das schon gegen die Armut, die ausserhalb der Stadt herrschte? Brennende Barrikaden der Campesinos (Bauern) auf den Strassen waren keine Seltenheit, jedoch blieben wir von den Ausschreitungen verschont und konnten ungehindert durch das wunderschöne Land mit seinen hilfsbereiten Menschen reisen. Ein fader Beigeschmack blieb allerdings hängen und später ist es sogar zu enormen Ausschreitungen gegenüber der korrupten Regierung gekommen.
Nun erreichte die Panamericana ihren schlechtesten Zustand und erinnerte eher an wilde Bergpisten, als an die „Traumstrasse der Welt"!
Wir wichen, wie so oft, auf die kleinen Nebenstrassen aus, doch dort wurden wir sogar von einem Erdrutsch überrascht, der unser Vorwärtskommen aber zum Glück nicht wirklich verhindern konnte.
Im Reiseführer lasen wir etwas von einer Schutzhütte am Fusse des Chimborazo, auf fast 5.000 m Höhe. Da wollten wir unbedingt hin, schon bei der Auffahrt über die vielen Pisten setzte Schneeregen ein. Uns sollte die bis dato kälteste Nacht bevorstehen.
Wir hatten genug von Regen und Kälte und so zog es nun weiter südwärts. Nur in Vilcabamba legten wir noch einen Tag Ruhepause ein, bevor es nach Peru ging

PERU
03.06. - 21.07.1999
Nun wurde es aber auch Zeit, ab hier änderte sich das Wetter schlagartig und wir hatten fast nur noch Sonnenschein. Welch ein herrliches Gefühl, die warmen Strahlen auf der Haut zu spüren. Jetzt machte das Motorradfahren wieder richtig Laune. Obwohl wir uns in der Sechura-Wüste befanden war es nicht zu warm. Am Pazifik verhinderte der Küstennebel sogar angenehmere Temperaturen. Oben in der Cordillera Blanca, einem Wander- und Kletterparadies, auf über 2.000 m Höhe war es tagsüber in der Sonne dagegen richtig wohlig. Welch ein herrliches Panorama boten uns die schneebedeckten 6.000er und der Frühling in dieser Region.
Die abgelegene Welt hier oben in den Anden verschaffte uns immer wieder einzigartige Einblicke in die fantastischen Kultur- und Naturlandschaften. Auf staubigen Pisten genossen wir die Abgeschiedenheit der Berge.
Ein kurzer Abstecher nach Lima bescherte uns die dringend benötigten neuen Reifen, ansonsten wollten wir gar nicht viel von dieser Großstadt.
In Küstennähe ging es dann weiter über den sehenswerten Paracas Nationalpark und die Huacachina Oase nach Nazca. Die Nazca-Linien sind weltberühmt und werden den Menschen sicherlich noch so manches Rätsel aufstellen. Wir begaben uns auf einen Flug über diese Linien, der leider nicht so beeindruckend war und eher Übelkeit als Begeisterung hervorrief.
Über wilde Pisten ging es dann wieder in die Berge nach Cuzco, um das mystisch anmutende Machu Picchu zu erkunden. Das ist ein Höhepunkt jeder Reise! Wir erreichten die versunkene Stadt nach 3 Tagen Fußmarsch und waren trotz der Erschöpfung vollkommen begeistert von der Ausstrahlung, die von diesem Ort ausgeht.
Auch die ehemalige Inka-Hauptstadt Cuzco hat, trotz der Touristenmassen, kaum an Flair eingebüsst. Hier treffen sich alle Arten von Reisenden und versuchen die Geheimnisse des alten Inkareiches zu erkunden.
Wir beschlossen nicht auf dem kürzesten Weg zum Titicacasee zu fahren, sondern einen Umweg über den Colca-Canyon zu machen. In dieser Schlucht konnten wir kurz nach dem Sonnenaufgang mehrere Kondore beobachten, wie sie sich von der aufsteigenden warmen Luft in die Höhe tragen ließen.
Der den Indios heilige Titicacasee fasziniert schon durch seine Lage, Ruhe und Ausstrahlung. Eine Attraktion sind die Urbewohner, die, wohl nur noch der Touristen wegen, auf den schwimmenden Schilfinseln leben.
In Peru bewegten wir uns fast immer über 2.000 m ü.N. und hatten erfreulicherweise nie Probleme mit der Höhenkrankheit seit Kolumbien waren wir ja an die dünne Luft gewöhnt.
Andere Reisende hatten extreme Probleme in den Höhenlagen, speziell, wenn sie in kurzer Zeit viele Höhenmeter zurückgelegt hatten.

BOLIVIA
22.07 - 08.08.1999
Die Grenze von Peru nach Bolivien zieht sich ja mitten durch den Titicacasee, so bleiben wir noch ein paar Tage am Ufer des legendären Sees und erwandern die „Sonneninsel".
In La Paz treffen wir Julia & Walter wieder, die wir da letzte Mal im Dezember 1998 in Mexico sahen. Zusammen wollen wir durch den Amazonas reisen, doch vorher wollen wir noch unbedingt zum „Salar de Uyuni". Dieser höchstgelegene (3.660 m ü.N.) und größte Salzsee der Welt zog uns schon vor der Reise in seinen Bann. Die Versorgungsmöglichkeiten in dieser äußerst unwirtlichen und abgelegen Gegend sind sehr begrenzt, doch dank der guten Informationen von Keiji, einem Japaner, konnten wir diesen Abschnitt unserer Reise ohne wirkliche Schwierigkeiten bestehen. Die einsame Strecke, hoch oben in den Anden war sicherlich fahrtechnisch einer der anspruchvollsten und interessantesten unserer Reise. So gelangten wir auf den wildesten Schotter-, Wellblech- und Sandpisten durch eine der spektakulärsten Gegenden, die uns dann hinüber nach Chile führen sollte.

CHILE
09.08. - 13.08.1999
In San Pedro de Atacama gönnten wir uns eine kleine Pause, bevor wir die Atacama Wüste zur Küste hin durchquerten. Die erhofften Ersatzteile bekamen wir leider nicht im Norden Chiles und so vertrösteten wir uns auf Brasilien und reisten auf schnellstem Weg wieder nach La Paz. Diesen Teil der Reise sind wir sicherlich zu schnell angegangen, aber wir wollten ja mit unseren Freunden durch den Amazonas reisen.

BOLIVIA
14.08. - 19.08.1999
La Paz nahmen wir diesmal nur zur schnellen Übernachtung, denn Julia & Walter waren schon mal vorgefahren. Unser Weg verändert sich von Asphalt zur Erdpiste und fällt 3.400 m auf den folgenden 80 Km ab. In dieser Zeit gelangten wir von den eisigen 4.725 Höhenmetern des „La Cumbre" Passes in die subtropische Gegend mit ihrer üppigen Vegetation.
Über die angeblich gefährlichste Straße Südamerikas fuhren wir in die Yungas nach Coroico, doch von der Aussicht, teilweise geht es 800m steil bergab, haben wir nichts mitbekommen, da es ständig regnete und wir uns im Nebel langsam vorantasten mussten. In Coroico ist es angenehm warm und die wolkenverhangenen Berge sind weit hinter uns. Hier werden die Vergaser unserer Ténérés wieder auf normale Höhe eingestellt. Die Piste in den Amazonas ist trocken, staubig und mit unendlichen Schlaglöchern versehen, die noch von der Regenzeit übrig geblieben sind. Unsere Maschinen müssen richtig was leisten und schlagen auf diesen ca. 1000 Km öfters durch als in den ganzen 13 Jahren zuvor. Durch die ganze Rüttelei wird auch noch Evas Tank undicht, den wir allerdings kurzerhand flicken können. Wir sind froh, die Dschungelpiste gut überstanden zu haben, doch von unseren Freunden ist nichts zu sehen.

BRASIL
20.08. - 11.10.1999
In Porto Velho wollen wir uns ein Schiff suchen, welches uns nach Manaus bringen soll, wie es der Zufall so will, treffen wir Julia & Walter am Kai. Sie haben schon eingecheckt und so schließen wir uns ihnen einfach an. Nach einigen Tagen auf unserem Amazonasdampfer erreichen wir die Dschungelmetropole Manaus. Von dort geht es auf einem anderen Dampfer an die Küste nach Belem. In Brasilien hatte das Handeln und Feilschen endlich ein Ende! Zumindest, was die Lebensmittel betrifft. Für unsere Schiffstransporte mit den Bananendampfern auf dem Amazonas mussten wir uns mächtig ins Zeug legen. Auch sonst war Brasilien irgendwie anders, die Menschen so fröhlich und leicht bekleidet, anscheinend leben hier die verschiedenen Rassen relativ friedlich miteinander.
Seit La Paz hatten wir verstärkt das Gefühl zu schnell unterwegs zu sein, auch wenn wir an einigen Orten ein paar Tage blieben und versuchten unsere Seelen zum Nachkommen zu animieren. Wir folgten dem Verlauf der Küste und gelangten im Nordosten des Landes in tropisch-rhythmische Gegenden, in denen viel getanzt und gefeiert wurde. Nie zuvor sahen wir so viele „Love-Hotels" in denen auch wir so manche preisgünstige Unterkunft fanden. Anfangs waren wir etwas irritiert, wenn man uns fragte, wie viele Stunden wir denn bleiben wollten, aber das legte sich mit der Zeit.
War das Wetter und die Stimmung oben im Nordosten prächtig, so wurde es gen Süden immer fader. Selbst das so gepriesene Rio de Janeiro kam nicht an dieses Flair heran, obwohl uns die Stadt angenehm überraschte. Aber das lag wohl auch an dem langanhaltendem Regen, der uns von nun an bis zu den Wasserfällen von Iguazu begleiten sollte. Diese Wasserfälle raubten uns, im wahrsten Sinne des Wortes, auf den ersten Blick den Atem.
In Brasilien haben wir mal wieder so richtig schlemmen können. Oftmals finden sich an den Tankstellen, südlich von Rio, Restaurants in denen man an Buffets fantastisch und preiswert essen kann, bis man satt ist.

PARAGUAY
12.10.1999
Nur sehr kurz war unser Besuch bei den verfallenen aber beeindruckenden Jesuiten-Ruinen im Süden des Landes.
Als man uns an der Grenze nach Hitler und Beckenbauer fragte, entschied ich mich spontan für den wahren und einzigen „Kaiser" Deutschlands. Über Fussball lässt es sich doch so herrlich in allen Sprachen der Welt diskutieren!

ARGENTINA
13.10. - 01.11.1999 &
Hier war der Peso an den Dollar angepasst und dementsprechend war es nicht so preiswert.
Im Norden herrschte eine mörderische Hitze, als wir durch den einsamen Chaco fuhren. Hier wollten wir nur schnellstmöglich vorwärts kommen und legten schnellstens die Strecke bis nach Salta, am Fuße der Anden, zurück. Dort ließen wir es wieder gemütlicher angehen und gönnten uns Unmengen des hier so leckeren Rindfleisches. Hier würden vermutlich auch Vegetarier in Versuchung geraten. Bei Frühlingstemperaturen reisten wir in den unteren Regionen der Andenkette durch Halbwüsten gelassen nach Mendoza.
Eva verspürt immer stärkere Schmerzen in ihren Gliedern, eine unbekannte Krankheit bahnt sich an.
Julia und Walter nahmen eine Mammutetappe auf sich, um uns in Mendoza zu erreichen und so reisten wir gemeinsam nach Chile weiter.

CHILE
02.11. - 01.12.1999
In Santiago de Chile kümmerten wir uns erneut um Evas Krankheit, bevor wir die Reise fortsetzen konnten. Die erschütternde Diagnose heisst "Borreliose". Von nun an muss Eva mehrere Wochen hochkonzentriertes Antibiotikum schlucken! Wir lassen uns nicht unterkriegen und entdecken wunderschöne Naturlandschaften im Vulkan- und Seengebiet Chiles, hier fühlten wir uns irgendwie heimisch. Vieles zeugte noch von deutschen Auswanderern und es war noch nicht alles so modern. Die Häuser waren zumeist aus Holz und hatten herrlich schiefe Gartenzäune umgeben von einer wirklich einladenden Landschaft.
Hier hatten wir das Gefühl uns niederlassen zu können. Doch Feuerland war ja noch nicht erreicht. Die Insel Chiloe empfing uns mit einer wahren Ginsterblütenpracht, anschließend setzten wir mit einer Fähre zur Carretera Austral über. Nun wurde es wirklich einsam und die Piste schlängelte sich durch weite und abgelegene feuchtgrüne Waldgebiete.

ARGENTINA
02.12. - 10.12.1999
Argentinien war natürlich sofort wieder teurer, aber der Sprit wurde billiger, je weiter wir in den Süden reisten.
Wir nahmen die berühmt-berüchtigte Routa 40 unter die Stollenräder und statteten den „Cuevas de los Manos" einen Besuch ab. Dann donnerten wir wie verrückt die 450 Km ohne Spritversorgung bis nach Tres Lagos. Dieser patagonischen Steppe konnten wir wirklich nicht viel abgewinnen. Beeindruckender war da schon die Gegend um das Massiv des „Fitz Roy" und der kalbende Gletscher „Perito Moreno".

CHILE
11.12. - 20.12.1999
Den Nationalpark „Torres del Paine" konnten wir nur während der Anreise bestaunen, nach 2 Tagen Dauerregen hatten wir genug und verließen den Park in Richtung Puerto Natales, wo wir mal wieder auf Julia & Walter trafen. Ralfs Geburtstag wurde in Punta Arenas im kleinen Kreis zelebriert, doch dann mussten wir wieder los. Die Magellanstraße querten wir mit einer Fähre, nun war Ushuaia zum Greifen nah.


ARGENTINA
21.12.1999 - 17.01.2000
Kurz vor Heiligabend erreichten wir „Das Ende der Welt"! Im Nationalpark „Tierra del Fuego" endete die Straße, die uns nun nach 60.000 Kilometer ans Ziel beförderte. Wir hatten es geschafft und unseren Traum verwirklicht! Jetzt konnte nichts mehr passieren.
Mit vielen anderen Motorradreisenden zelteten wir an der „Laguna Verde", dazu gesellten sich auch jede Menge Fernreisende auf 4 Rädern. So verbrachten wir Weihnachten und Sylvester in einer netten Runde von Gleichgesinnten.
Fast 2 Wochen hielten wir uns hier unten auf, dann mussten wir weiter, der Flug von Buenos Aires nach Düsseldorf wartete schon. Aber die Luft war raus, wir quälten uns die restliche 3.000 Km unserer Reise auf der Routa 3 hinauf. Auch die Ténérés waren angeschlagen, mit völlig blanken Reifen und schlackernden Ketten kämpften wir uns gegen den ständig wehenden Wind vorwärts. Nur noch ein kleiner Abstecher zum versteinerten Wald war drin. Und natürlich nicht zu vergessen die 3 Tage in Azul, dort beherbergten uns motorradbegeisterte Argentinier, allen voran Jorge, und luden uns zum Assado ein! Auf ihrem 1. Motorradtreffen im „Neuen Jahrtausend" waren wir Ehrengäste und wurden sogar vom Fernseh- und Radiojournalisten interviewt und in den Äther übertragen.
In Buenos Aires kümmerten wir uns hauptsächlich um den Rücktransport der Maschinen und nahmen nur bedingt am kulturellen Leben der Millionenmetropole teil. San Telmo und die Geschichte des Tangos waren allerdings Pflicht.
Wir waren in Gedanken allerdings eher bei unserer Familie in der Heimat und konnten es gar nicht erwarten zurückzukehren. Eva äußerte spontan den Wunsch, nach Afrika reisen zu wollen, doch das wollen wir uns für 2004 aufheben.