Salzsee und Mondlandschaften Die Bilder lassen durch einfaches Anklicken vergrößern!!
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Salar de Uyuni, Bolivien - 07. August 1999

Dank der handgezeichneten Karte unseres japanischen Freundes Keiji haben wir keinerlei Schwierigkeiten mit der Orientierung auf dem größten und höchstgelegenen (3.660 m ü.N.) Salzsee der Welt, der 3/4 des Jahres unter Wasser steht. Am Abend zuvor haben wir noch zwei Benzinkanister und 20 Brötchen als eiserne Reserve gekauft, falls es auf der ca. 600 Kilometer langen Strecke, nach San Pedro de Atacama in Chile, keine Versorgungsmöglichkeiten geben sollte. Das Fahren auf dem berühmt-berüchtigten Salzsee ist nach all den Schlagloch- und Wellblechpisten eine wahre Wohltat. Wir können 100Km/h über den völlig trockenen Salzsee gleiten und glauben zu fliegen. Erinnerungen an deutsche Autobahnen werden wach, wäre da nicht das ständige Knirschen unter den Rädern. Auch die bizarren Felsformationen am Horizont lassen uns ins Schwärmen geraten.
Plötzlich taucht vor unseren Augen ein komplett aus Salz gebautes Hotel auf, welches wir natürlich näher inspizieren. Wirklich toll und einmalig ist dieser Bau gestaltet und wirklich alles ist vom Besitzer aus Salz erschaffen worden. Allerdings einige Preisklassen zu hoch für unseren Geldbeutel, außerdem haben wir noch genügend Zeit bis zum Sonnenuntergang, also folgen wir den Beschreibungen Hirotos und gelangen auf die, mitten im Salzsee gelegene, Insel Incawashi. Diese Insel bietet sogar einen Campingplatz und simple Versorgungsmöglichkeiten, da sie von allen Jeeptouren angefahren wird. Wir entschließen uns die Isla Pescadero anzusteuern um dort einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Dort sind wir für uns alleine und genießen die wahnsinnige und schon unheimliche Stille. Schnell haben wir am "Strand" einen Lagerplatz ausfindig gemacht, bauen unser Zelt auf und bereiten uns auf die kalte Nacht vor. Bevor es dunkel wird erkunden wir die Insel und klettern die schroffen Felsen hinauf. Von hier oben wirkt der Salar de Uyuni wie eine weiße Wolkendecke und die Inseln wie Bergspitzen, die aus dieser Decke hervorschauen. Ralf läuft zu den Motorrädern und ich warte auf dem Felsvorsprung um Fotos zu schießen, während Ralf auf seiner Ténéré dem Sonnenuntergang entgegen fliegt. Welch ein Anblick, so surrealistisch und doch wahr zugleich. Ralf erzählte mir später, dass er sich noch nie so frei, wie in diesem Moment gefühlt habe!
Schnell wird es nun dunkel und so schmeißen wir durchfroren das Lagerfeuer mit Kakteenholz an, bereiten unser Abendessen zu und wärmen uns an den lodernden Flammen. Bevor wir uns in die warmen Schlafsäcke verkriechen, betrachten und bewundern wir den faszinierenden Sternenhimmel, der sich nicht nur über unseren Köpfen, sondern von Horizont bis Horizont ausbreitet.


Laguna Canapa, Bolivien - 08.August 1999

Überraschenderweise war es in der Nacht trotz der Minusgrade gar nicht so kalt. Als die Sonne hinter den Bergen hervorlugt stehen wir sofort auf und bereiten das Frühstück zu. Zelt und Schlafsack sind auch schnell gepackt und so lassen wir uns vom heißen Tee und der Sonne aufwärmen. Bald darauf nehmen wir Kurs auf die Isla Incawashi, die wir allerdings links liegen lassen und uns weiter südlich halten. Wir kommen auf dem Salzsee gut voran, frieren uns wegen der relativ hohen Geschwindigkeit allerdings fast den Hintern ab.
Am Damm angekommen ändert sich das Bild schlagartig, denn auf den Wellblech- und Sandpisten müssen wir viel aufmerksamer fahren und werden heftig durchgerüttelt, da wird einem einfach warm. In San Juan soll es Sprit und Lebensmittel geben. Wäre da nicht die Fiesta. Zwar finden wir das "Hotel" und den Wagen mit den Benzinfässern, aber ein junges Mädchen teilt uns mit, dass es kein Benzin gäbe. Ralf läuft zum Schulhof, wo das Fest stattfindet und fragt sich nach dem Benzin durch. Nach einiger Zeit kommt er mit einem Mann zurück, der sich bereit erklärt uns diesen wertvollen Saft zu verkaufen. Wir einigen uns auf einen halbwegs akzeptablen Preis für die 35 Liter und so pumpt er die Reservekanister voll, welche wir wiederum mit einem Lappen gefiltert in die Tanks der Ténérés gießen. Die beiden gefüllten Ersatzkanister befestigen wir an Ralfs Motorrad, da die Motorräder in dieser Höhe evtl. mehr Sprit verbrauchen könnten. Nachdem die Bäuche der Ténérés gefüllt sind, wollen auch wir nicht länger warten und teilen unsere Vorräte mit 2 Fahrradfahrern. Nach dieser Pause folgen wir einige Kilometer den Eisenbahnschienen, bis wir erneut vom Militär angehalten werden, die unsere Papiere kontrollieren.
Auf grobsteiniger Piste kämpfen wir uns nun die Serpentinen hinauf und erreichen die Laguna Canapa, welche in einer Höhe von 4.300 m liegt. Sie leuchtet, so kurz vor dem Sonnenuntergang in einem rosafarbenem Schein, so sehr ist sie mit Flamingos übersät, die hier auf Futtersuche sind. Ein guter Platz um zu übernachten und so bauen wir, windgeschützt neben den Ruinen unser Zelt auf. Sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird es saukalt. Wir schlürfen unsere heiße Suppe und bewundern, diesmal nur kurz, die Sterne und legen uns mollig warm eingepackt in die Schlafsäcke.


Laguna Colorada, Bolivien - 09.August 1999

Am Morgen ist unser Trinkwasser gefroren, auch Zelt und Schlafsäcke müssen vom Eis befreit werden, doch das übernimmt zum Glück die wärmende Morgensonne für uns. Als wir versuchen in die Stiefel zu steigen, machen wir eine schmerzhafte Erfahrung mit dieser Eiseskälte, länger als 3 Minuten halten wir es nicht in diesen Eisklötzen aus. Nun wissen wir wie kalt es in einer Gefriertruhe sein muss. Also müssen auch die Stiefel erst mal warm werden und so taut alles vor sich hin, während wir unser Frühstück einnehmen. Wir haben verdammtes Glück mit dem Wetter, denn seit Tagen haben wir keine einzige Wolke am Himmel gesehen. Die trockene Landschaft mit ihren bizarren und unwirklichen Felsformationen lassen uns glauben auf einem anderen Planeten zu sein.
Hinter einem 5.000er Pass, in einer äußerst eigenartigen Schlucht gelangen wir auf den richtigen Weg zu den Geysiren, die mit ihren Wasserfontänen und Schlammbecken zum phantastischen Eindruck der gesamten Region einen gehörigen Teil beitragen. Überall qualmt, pfeift und blubbert es vor sich hin - die Erde lebt! Nicht weit von hier stoßen wir auf heiße Quellen, wo wir uns entschließen Mittagspause zu machen. Wir nutzen diese Gelegenheit und genießen das tolle Baderlebnis in dieser doch so bizarren Welt.
Weiter geht es dann auf dem Hochplateau, wo die Piste teilweise kilometerbreit ist. Ich kämpfe mit den Längs- und Querrillen, während Ralf den tieferen Sand bevorzugt. Dort muss er allerdings richtig Gas geben um nicht einzusinken. Selten habe ich noch Lust die phantastische Landschaft mit ihren unterschiedlichen Pastelltönen und grotesken Bergen wahrzunehmen. Zu sehr nimmt die Piste meine komplette Aufmerksamkeit in Anspruch. Von weitem winkt mir Ralf zu, ich soll ihm auf das freispurige Gelände folgen. Nun ja, Eva, denke ich mir, gib dir einen Stoß und versuch es mal. Auweia, ich komm nicht in Fahrt und das Vorderrad schlingert sofort. So eben verhindere ich noch einen Sturz und komme schweißgebadet auf meine alte Spur zurück. Vor lauter Frust lasse ich einen lauten Wutschrei los und verfluche Ralf. Am liebsten hätte ich ihn zum Mond geschossen, da er auf die Idee kam im Sand zu fahren. Lange hält die Wut nicht an, denn zu sehr beansprucht mich die Sand- und Wellblechpiste.