Korruption

Macaé, Brasilien - 27. September 1999

Nach dem spärlichen Frühstück sind wir schon früh unterwegs, eigentlich würden wir gerne den unbefestigten Straßen der Küste folgen, doch wir nehmen Rücksicht auf den Stoßdämpfer an Julias BMW und fahren zur BR 101. Beim Abbiegen auf die Hauptstraße hält uns die Polizei an. Wir wissen nicht warum, doch die Polizeibeamten erklären, wir seien falsch abgebogen und kassieren unsere Motorradpapiere ein. Angeblich hätten wir einen Schlenker um eine Ausbuchtung machen müssen. Wir entschuldigen uns für unser Fehlverhalten und begründen dies mit unserer Unwissenheit. Die Polizisten bleiben hartnäckig und erklären uns unfreundlich, dies sei ja international so üblich! Innerlich muss ich darüber nur lachen, denn wahrscheinlich haben diese zwei Polizisten nie ein anderes Land gesehen!! Doch zum Lachen ist uns nicht zumute, denn nun wird es langsam Ernst. Alles gute Zureden und die vielen Entschuldigungen verfehlen ihre Wirkung, wir bekommen einen Strafzettel und sollen 1.000 US $ bezahlen und zwar sofort. Als wir uns weigern, wollen die Polizisten mit unseren Papieren davonfahren, doch Eva stellt sich ihnen in den Weg, während ich das Kennzeichen aufschreibe und erneut Kontakt mit den Polizisten aufnehme. Wir sollen ihnen folgen, erklärt mir einer.
Unterwegs werden wir und das Polizeiauto von brasilianischen Reportern fotografiert. Das bekommen die Polizisten mit, sie halten sofort den Wagen der Journalisten an und fordern auf brutalste Art und Weise die Filmrollen ein und zerren sogar einen Fotografen ins Polizeiauto. Diese Szene fotografiert wiederum ein anderer Journalist auf den die Polizisten nun Jagd machen. Die Chance nutzt erneut der andere um zu fliehen. Während ich so auf dem Motorrad sitze und das Geschehen verfolge, welches sich in Sekundenschnelle abspielt, habe ich das Gefühl in einem Film mitzuspielen, in dem uns Arnold Schwarzenegger gleich befreien wird. Das geschieht leider nicht und so müssen die Journalisten und wir dem Polizeiwagen bis zur nächsten Dienststelle folgen, welche ca. 35 Kilometer entfernt ist. Dort redet man nicht mit uns, erst als wir nachfragen heißt es, die Motorräder seien beschlagnahmt und wir sollten erst mal bezahlen, dann würde es auch ohne Probleme weitergehen. Glücklicherweise waren die Journalisten nun auch in einer ähnlich brenzligen Situation wie wir. Sie stellen uns ihr Handy zur Verfügung, mit dem wir die Deutsche Botschaft anrufen. Dort kennt man die Geschichten der korrupten brasilianischen Polizeibeamten schon und versucht uns zu helfen. Während wir warten und darauf beharren nicht zu bezahlen verhandeln die Journalisten mit den Polizisten bzgl. ihrer Beweisaufnahmen. Wir telefonieren erneut mit dem Botschafter, was immer noch keine Lösung bringt.
Nach einigen Stunden bekommen wir plötzlich unsere Papiere wieder und auch die Journalisten dürfen weiterfahren. Einer von ihnen hatte sich angeblich als Deutscher Botschafter ausgegeben und telefonisch unsere Freilassung gefordert. Die Beweisfotos haben sich auf jeden Fall nicht negativ auf unsere Freilassung ausgewirkt. Wir fackeln nicht lange und verlassen so schnell es geht den Bundesstaat "Espirito Santos".