Inka - Trail Die Bilder lassen durch einfaches Anklicken vergrößern!!
Das Laden kann natürlich etwas dauern!!

Cusco, Peru - 05. Juli1999

Um 5:45 Uhr geht unser Wecker und um kurz vor 6:00 Uhr klopft schon der Taxifahrer an unsere Tür. Für 3 Soles (ca. 1 €) gönnen Eva und ich uns den Luxus und lassen uns in aller Herrgottsfrühe zum Bahnhof bringen, wo schon all die anderen Touristen auf den Zug warten. Vor dem Bahnhof herrscht ein reges Treiben und es wird versucht, Kuchen, Brötchen, Kaffee, Tee sowie Filme, Süßigkeiten an den "Mann" zu bringen. Natürlich können wir nicht widerstehen und nehmen unser Frühstück sprichwörtlich auf der Straße ein.
Bald schon können wir in den Zug einsteigen und wir bekommen tatsächlich unsere reservierten Sitzplätze. Der Zug fährt sogar 5 Minuten früher los als geplant! Seltsam, ich hätte eher gedacht, dass er 30 Minuten später abfahren würde. So überrascht mich Südamerika mal von einer anderen Seite.
Aus dem Zugfenster entdecken wir einen bedeckten Himmel, zum ersten mal in den Bergen von Peru. Im Zick-Zack-Kurs kämpft sich die Lok langsam den Pass hinauf, danach schwankt der Zug so sehr, dass man fast "seekrank" werden könnte. Die Schienen folgen nun dem Urubamba-Tal durch die mit Regenwolken behangenen Berge. Hin und wieder hält die Eisenbahn kurz in einen Dorf. Die Wolken verdichten sich zusehends und bald setzt sogar der Regen ein, zum 1. mal seit unserer Einreise in Peru vor 4 Wochen.
Na super, ich überlege sogar, im Zug sitzen zu bleiben, um bis Aguas Calientes durchzufahren.
Nichts da, bei Kilometer 88, in Q'oriwayrachina, steigen wir aus und ziehen uns die Armee-Ponchos über. Wozu haben wir denn das Zeug mit? Nun sind wir und unser Rucksack einigermaßen vor dem Regen geschützt. Dank unserer internationalen Studentenausweise müssen wir nur 27 (ca. 9 €) anstatt 54 Soles (ca. 18 €) Eintritt in den Nationalpark zahlen und können uns 4 Tage Zeit lassen, Machu Picchu per pedes zu erreichen.
Die Wanderung führt über eine Hängebrücke über den Urumabafluß, vorbei an den Ruinenstätten von Q'ente, Pulpituyoc, Kusichaca und Patallaca. Sie ist bis Wayllabamba, einem Bauerndorf, nicht sonderlich anstrengend und der Regen setzt auch hin und wieder aus. Gegen 13:00 Uhr erreichen wir nach 2 ca. Stunden den vorerst letzten Ort mit "Coca Cola und Snickers Depot", doch wir können den überteuren Verlockungen widerstehen. Unter einem Grasdach suchen wir Schutz vor dem Regen verschnaufen noch ein letztes mal und knabbern an unseren genau eingeteilten Vorräten, bevor wir uns auf den Weg zum "Abra de Warmiwanusqa-Pass" machen, welcher mit 4.200 Metern den höchsten Punkt des Inka-Trails darstellt.
Oh nein, nun wird der Regen auch stärker! Von der Landschaft können und wollen wir kaum etwas wahrnehmen, so tief sind wir mittlerweile in den Wolken eingenebelt. Klitschnaß sind wir vom immer stärker fließenden Schweiß und vom nun langsam durch den Poncho dringenden Regen. So macht das Wandern keinen Spaß mehr und wir quälen uns im Regen den Berg hinauf. Der einzige Trost ist, dass es den anderen Wanderern ebenfalls nicht besser geht auch sie pusten, schnaufen und fluchen vor sich hin. So grün die Landschaft hier ist, muss das Regenwetter wohl keine Ausnahme sein.
Gegen 15:00 Uhr erreichen wir Llullucha, die letzte offizielle Campingmöglichkeit vor dem Pass. Dort bauen wir unser Zelt in einer kleinen Regenpause schnell auf. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten und so verkriechen wir uns in unsere aufgespannte Behausung. Kaum habe ich die trockenen Klamotten angezogen schlafe ich mit unserem Kochtopf als „Kopfkissen" ein.
Eine Stunde später regnet es kaum noch und ich bin von meinem Nickerchen erwacht, nun kommt dem Kochtopf seine ursprüngliche Bedeutung zu. Wir zaubern uns eine leckere Shrimpssuppe mit Nudeln, die wir allerdings wegen des erneut einsetzenden Regens im Zelt unter der Apside genüsslich in uns hineinschlürfen. Die Suppe schmeckt wirklich gut, doch so richtig hungrig sind wir gar nicht, seltsam auf dem Skyline-Trail in Canada konnten wir nicht genug bekommen. In einer erneuten Regenpause spüle ich den Topf und fülle unsere Wasserflaschen auf. Dann verkriechen wir uns in die Schlafsäcke und fallen in einen tiefen Schlaf.

Inka Trail, Peru - 06. Juli1999

Der liebe Gott hat meine Gebete erhört und es regnet am Morgen nicht mehr, dennoch ist alles recht klamm. Früh machen Ralf und ich unser Müslifrühstück, obwohl wir kaum Hunger haben. Das Zelt müssen wir leider feucht einpacken. Die anderen feuchten Sachen wie Regenponcho und T-Shirt hängen wir zum Trocknen außen an den Rucksack. Um 8:00 Uhr geht es los und wie schon gestern, müssen wir auch heute etliche Inka-Stufen bis zum Pass aufsteigen. Auweia, ist das anstrengend. Immer wieder muss ich eine kurze Pause einlegen um tief Luft zu holen.
Nicht umsonst nennt man die Passage auch den „Dead-Woman-Pass"!
Doch so schnell gebe ich nicht auf. Leider ziehen wieder Wolken auf und wir können die Umgebung nur Schemenhaft erkennen. Endlich oben angekommen halten wir kurz inne, andere Wanderer stehen oben auf dem Abra de Warmiwanusqa-Pass
und weinen vor Glück.
Wir halten uns dort nicht lange auf, da unsere Körper recht schnell auskühlen und begeben uns nun unzählige Stufen tief ins Tal des Pakaymayu - Flusses hinab. Oh, diese Treppen haben es ganz schön in sich, so sehr spüre ich schon am 2. Tag meine schweren Beine. Ungleich den vielen Trägern, die solche Lasten und Strecken mit einer Leichtigkeit bewältigen, das wir nur staunen können.
Immerhin tragen wir all unsere Sachen selbst mit uns, und das mögen so an die 15 Kilo sein. Doch diese Abkommen der Inkas tragen ein vielfaches auf dem Rücken und sonst wo und legen ein solch flottes Tempo vor, dass wir nicht folgen können. Bald müssen wir wieder die Berge hinauf und wieder gilt es unzählige Treppen zu steigen. So langsam tasten wir uns nach oben und sind froh, nun auch den Runkuraqay-Pass, mit seinen 3.800 Metern bewältigt zu haben. Hier servieren die Träger der organisierten Wandertouren ein leckeres Mahl für die zahlungskräftigen „Gringos". Wir haben ein äußerst ambivalentes Verhältnis zu solchen Touren, versuchen aber beide Seiten zu akzeptieren. Dennoch kommen solche Gedanken, wie „echte Weicheier, beste Trekkingausrüstung, aber keinen Meter selbst mehr als den Daypack schleppen", die wir nicht ganz unterdrücken können.
Die Nebelwolken lichten sich und geben so langsam den Blick auf die Umgebung frei. Die Ruinen von Sayaqmarca liegen auf 3.600 Metern Höhe und ziehen uns förmlich zu einer Mittagspause an. Es gibt ein Wurstbrot mit gechlortem Wasser, mmhhh wie lecker!!
Da wir überrascht sind, so schnell vorwärts zu kommen wollen wir noch ein paar Kilometer machen. Von nun an ist die Wanderung nicht mehr so beschwerlich, da wir nicht mehr so viele Höhenmeter, sei es auf oder ab, zu bewältigen haben. Sie führt auf ausgezeichneter Wegstrecke vorbei an weiteren Baudenkmälern und durch einen Tunnel, den die Inkas schon damals in den Fels gearbeitet haben. Da zudem noch die Sonne scheint, macht uns das Wandern richtig Spaß. Plötzlich haben wir wieder einen Blick für die feuchte und immergrüne Landschaft.
Auf dem Pass, in der Nähe von Phuyupatamarca, schlagen wir zum 2. mal unser Zelt auf. Endlich haben wir es geschafft und sind richtig stolz auf unsere Leistung. Ralf darf noch Trinkwasser besorgen und muss dafür die extrem steilen Treppen hinunter zu den Ruinen von Phuyupatamarca. Das ist der vollständigste und am besten erhaltene aller bisher besuchten Gedenkstätten auf unserem Weg. Aber was für uns ganz wichtig ist, dass es dort frisches und sauberes Quellwasserwasser gibt. Bald steigt uns schon der Duft der heißen Spinatsuppe mit Käse in die Nase, die wir dann voller Genuss verzehren.
Da schon wieder Wolken am Horizont aufziehen bekommen wir noch ein besonders farbenfrohes Spektakel zum Sonnenuntergang geboten. Eine halbe Stunde später wabern die ersten feuchten Nebelschwaden um unser Zelt und ziehen wir es vor, uns es im Schlafsack gemütlich zu machen.

Inka Trail, Peru - 07. Juli1999

In der Nacht hatte es anfangs noch geregnet, doch später zog der Frost an und so ist am morgen das ganze Außenzelt mit einer kleinen Eisschicht bezogen. Dafür begrüßt uns der Tag mit strahlend blauem Himmel. Kurz nachdem Eva und ich aus dem Zelt gekrochen sind, lugt die Sonne auch schon hinter den Bergriesen hervor und wärmt uns mit ihren Strahlen.
Traumhaft schöne Berglandschaft liegt nun ringsherum und im Tal wabern die Nebelschwaden vor sich hin. Mit jedem zunehmenden Sonnenstrahl steigen die Wolken weiter auf und lösen sich so langsam auf. Wir nehmen das Frühstück ein und trocknen die Sachen in der Sonne.
Gegen 8:30 Uhr haben wir alles gepackt und machen uns auf den Weg. Wir steigen die extrem steilen Treppen zu den Ruinen von Phuyupatamarka hinab, wo wir noch einen kräftigen Schluck des frischen Quellwassers genießen und unsere Wasserflaschen auffüllen.
Es geht immer nur bergab, was mir ein wenig im rechten Knie schmerzt, aber die letzten Kilometer halte ich schon noch durch. Von weitem können wir schon bald die Ruinen von Winaywayna erkennen, doch bis wir unten bei der Station sind dauert es noch etwas.
Das letzte Stück ist richtig heiß und trocken und nicht schön zu laufen. Unsere Kehlen dürsten nach etwas Flüssigem, doch als man am Hostel einen horrenden Preis für eine Cola verlangt, begnügen wir uns lieber mit „Kranenburger"!
Nach einer Pause laufen wir nun durch subtropischen Regenwald, wo es angenehm kühl ist. Da kaum noch Höhenunterschiede zu bewältigen sind kommen wir richtig gut voran. Allerdings hat es der letzte Anstieg zum Intipunku noch mal so richtig in sich. Treppen, so steil wie Leitern müssen wir erklimmen um dann oben auf dem Aussichtspunkt Machu Picchu zum ersten mal erblicken zu können.
Alleine schon der Anblick war die Strapazen der vergangene Tage wert. Natürlich sind wir hier nicht alleine und so müssen wir diesen fantastischen Ausblick mit vielen anderen teilen. Am Rande meditiert eine „Esotherikgruppe" und nimmt die magischen Schwingungen von dieser beindruckenden Indiokultstätte auf.
Ganz so dolle haben es wir nicht mit diesen mystischen Kräften und machen uns daran, die letzten Meter zu Machu Picchu hinabzusteigen. Dort geben wir unsere schweren Rucksäcke zur Aufbewahrung ab. Ich bin leicht angesäuert, da wir laut Aussage des Parkrangers nur heute ODER morgen die Ruinen besichtigen dürfen?!?! Ansonsten wäre ein weiteres Eintrittsgeld fällig. Der Hinweis, dass unsere Eintrittskarte 4 Tage gültig sei prallt unregistriert bei dem Beamten ab. Nach einigen hin und her entschließen wir uns für heute. Genug Zeit haben wir ja, doch vorher essen wir noch die alten Brötchen mit Wurst oder Sublime (Schokolade).
Die alten Bauten haben schon ihre speziellen Reize, so lassen wir die Ruinen und Steine einfach auf uns wirken. Gerne wäre ich am frühen Morgen hier gewesen, aber auch so hinterlassen diese Monumente ihre bleibenden Eindrücke. Es ist schon seltsam, dass diese bedeutenden Bauwerke so lange verschollen blieben und erst im Jahre 1911 von den Weißen entdeckt wurde. Wir haben nach 3 Stunden genug gesehen und laufen zum Urubamba-Fluß hinunter. Das ist noch mal eine richtige Quälerei , doch unten angekommen haben wir Glück und werden von einem LKW mit Straßenarbeitern die restlichen 3 Kilometer in das Dorf Aguas Calientes mitgenommen. Als wir von der Ladfläche springen ist unser Popo und der Rucksack weiß wie Mehl, aber das ist uns in diesem Moment so was von egal.
Am Ortsrand fängt uns ein junger Bursche ab und bietet uns ein Zimmer für 40 Soles (ca. 13 €) an, auf dem Weg in den Ort kostet das Zimmer nur noch 30 Soles. Wir entschließen uns, es mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Zimmer ist sauber und neu renoviert, doch für unsere peruanischen Verhältnisse etwas zu teuer so wollen wir uns noch mal was anderes anschauen. Auf der Straße läuft uns ein Mädchen hinterher und behauptet, sie könne ein Zimmer für nur 20 Soles besorgen. Das hört sich gut an, zumal die anderen „Hotels" teilweise 20 US$ haben wollen. Uns reicht das Zimmer ohne Bad für 20 Soles. Jetzt zischen wir uns erst mal eine Sprite auf dem Zimmer, danach laufen wir zu den heißen Quellen und entspannen unsere müden Knochen im warmem Wasser.
Es gibt bestimmt schönere Thermalbäder, aber im Moment halten wir sie für unschlagbar, auch wenn wir hier auch nicht gerade alleine sind. Die Sterne funkeln am klaren Nachthimmel und wir lassen es uns gut gehen. Nachdem unsere Haut genug aufgeweicht ist, laufen wir zurück in den Ort und essen für nur 1 Soles einige Fleischspieße am Straßenrand und wundern uns über die überfüllten Pizzerien mit den überhöhten Preisen.
Nun sind wir satt, frisch gewaschen, kraftlos und todmüde. So dauert es auch nicht mehr lange, bis wir in den Federn liegen.