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Laguna Quilotoa, Ecuador - 28. Mai 1999

Wir verlassen Quito auf einer autobahnähnlichen Umgehungsstraße, doch als wir auf der Panamericana sind, wird diese schlagartig schlechter. Es reiht sich Schlagloch an Schlagloch, allerdings wollen wir der berühmten Straße sowieso nicht lange folgen und so nehmen wir, wie so oft, eine der kleinen Nebentrassen ins Visier. Natürlich nicht ohne vorher vollgetankt zu haben. Auf Kopfsteinpflaster schlängeln wir uns durch die kleinen Dörfer und Eukalyptuswälder. Die umliegenden Vulkane können wir hinter Wolken leider nur erahnen, doch wir sind schon froh, dass es nicht regnet, denn der nun zur Erdpiste gewordene Weg wäre ungleich schwieriger zu befahren. Wir erklimmen die sanft geschwungenen Berge und haben von hier oben eine beeindruckende Aussicht auf die wolkenverhangenen Täler der Anden. Die Pfützen, Wassergräben und Erdrutsche zeigen an, dass es hier vor nicht allzu langer Zeit stärker geregnet haben muss. Hinter Chugchilan kommen uns zwei Autos und einige Indigenas entgegen. Sie winken aufgeregt und machen uns begreiflich, dass es "da hinten" nicht mehr weitergehe. Ich habe keine Lust die 150 Kilometer wieder zurückzufahren und so wollen wir uns erst mal anschauen, was es denn da so gibt. Tatsächlich stehen wir vor einem nicht zu unterschätzendem Hindernis: Ein Erdrutsch hat die komplette Straße blockiert und teilweise weggerissen. Der erste Eindruck ist nicht so klasse und wir tendieren zum Umkehren. Wir stellen die Ténérés an den Pistenrand um die Lage näher zu betrachten. Der Erdrutsch ist noch ganz frisch und besteht zum größten Teil aus weichen Erdbrocken, also beginnen wir nach kurzem Abwägen einen Pfad für die Motorräder zu schaffen. Wir befördern die großen Brocken in die Schlucht und ebnen uns somit einen schmalen Weg über die Lawine. Als wir das erste Motorrad hinüberbugsieren wollen, bleibe ich mit meiner Ténéré direkt im Schlamm hängen, zu steil geht es dort hinauf. Eva schiebt von hinten und bekommt die volle Ladung einer Schlammfontäne mit. Wie bestellt tauchen plötzlich einige Männer auf und packen sofort mit an, mit dieser Hilfe haben wir das Hindernis bald hinter uns. Mit Evas Ténéré grabe ich mich noch tiefer ein, doch Eva und die Männer geben ihr bestes, ziehen und drücken mich wieder heraus, geschafft! Auf der anderen Seite kommt gerade ein Bus an, der wird wohl noch etwas länger warten müssen. Wir sind froh, dieses Problem gemeistert zu haben und bedanken uns bei den netten und hilfsbereiten Indigenas.
Wir erreichen noch unser Tagesziel, die Laguna Quilotoa. Hier befinden wir uns auf 3.800 m und es weht ein heftiger eiskalter Wind, der auch noch Schnee mit sich bringt. Von weitem können wir schon den Ort erkennen, der aus 5 Häusern besteht, in dem wir auch eine Unterkunft für uns finden. Die Motorräder schieben wir mit in unseren Übernachtungsraum, neben die Strohbetten. Humberto, unser Gastgeber ist zudem noch Künstler und stellt schöne Masken und kleine Bilder her, die hin und wieder in die Hände kaufkräftiger Touristen gelangen. Natürlich können auch wir nicht widerstehen und legen einige Sucres extra auf den Tisch. Mit den drei Kleinkindern und der Frau unseres Gastgebers schlürfen wir dann in der simplen aber warmen Küche eine heiße Suppe. Nach dem Essen wird dann das Hausschwein gefüttert, welches schon hungrig vor der Tür quiekt. Das Angebot der drei Kanadier, die im Nebenhaus untergekommen sind, sich an ihren Kamin aufzuwärmen, können wir nicht ausschlagen und so haben wir am Abend noch etwas nette Gesellschaft. Doch die Nacht verbringen wir in unserer Hütte neben unseren lieben Ténérés.